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Artikel geschrieben von: Rev_Blackjack
ACHTUNG: Es ist ein anderes Spiel als „Sid Meyer’s Civilisation“!



Bei Civilisation übernimmt jeder Spieler ein Volk aus dem Mittelmeerraum und führt es durch verschiedene Epochen. Jedes Volk startet in der jüngeren Steinzeit und hat das Ziel, einmal in die Eisenzeit zu kommen. Dazu muss die junge Zivilisation natürlich Errungenschaften vorweisen können: Metallverarbeitung, Seefahrt, Ackerbau und später auch die Demokratie lassen das Volk wachsen, blühen und gedeihen… so lange es dem Nachbarn gefällt. Und dann sind da ja noch Vulkane, die ausbrechen, Sturmfluten, die überschwemmen und Seuchen, die das Land zerstören…




Civilisation ist eindeutig ein Funktionalitätsspiel. Hier wurde weniger Wert auf Optik gelegt, mehr auf die deutlichen Unterscheidungsmerkmale zwischen den Markern und Karten. Und das ist auch gut so, denn im Verlauf des Spiels tummeln sich gerne mal an die 150 Marker auf dem Spielfeld, da heißt es die Übersicht bewahren. Marker ist hier auch das Zauberwort: Jede Nation hat etwa 60 Chips, ein paar Schiffe und eine Übersichtstabelle, das war’s auch schon. Mehr braucht man nicht für 8 Stunden Spaß.




Das Spiel ist in Runden eingeteilt, von denen jede mehrere Stufen hat. So wächst das Volk, Es werden Steuern erhobne, Städte gegründet, es wird gehandelt und vieles mehr. Dabei agieren die Völker meist gleichzeitig, Ausnahmen sind klar dargestellt und erklärt. Hier lässt sich nicht meckern. Anfangs geht’s Ruck-Zuck und eh man sich versieht, ist man schon auf der Fortschrittstabelle ein Feld weiter gerutscht… doch dann werden die Runden immer strategischer, es muss immer mehr bedacht werden. Strategie ist hier auch das Zauberwort. Die meisten so called Strategie-Spiele sind ja, wenn man’s genau nimmt, Taktikspiele, die Konflikte in kleinem Maßstab wiedergeben. Hier steht jede Runde für mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte. Weitreichende Planung braucht man trotzdem nicht, kurz- bis mittelfristig zu Planen reicht meist vollkommen aus. Civ ist ein Spiel, das sich mehr auf Handel als auf Kampf konzentriert. Richtige Kriege finden nicht statt (jedenfalls nicht so, dass wir als Spieler sie steuern könnten), wir bekommen lediglich die Auswirkungen davon mit. Wenn sich zwei Völker in einem Gebiet breit machen, ist es irgendwann übervölkert und es wird sich „gesund geschrumpft“. Das ist manchmal das Beste, was einem passieren kann, denn jedes Volk hat nur eine Sorte Chips, und die müssen für Bevölkerung UND Steuern eingesetzt werden. Habe ich zu viel Volk, kann ich keine Steuern mehr blechen und das ist dann nicht gut…
Handel steht, wie gesagt, ganz oben auf der Prioritätenskala. Für jede Stadt, die ich gebaut habe, bekomme ich Waren, und je mehr Waren ich auf der Hand habe, umso wertvoller werden sie. Also schaue ich, dass ich die Waren, die ich nur einzeln habe, los werde und dafür etwas auf die Hand kriege, was ich schon mehrfach habe. Das ist immer mit einem Risiko verbunden, denn so viel Vorteile mir der Handel bringt, jeder Spieler kann mir mit seinen Schiffen auch eine Seuche oder eine Revolution ins Haus schicken. Hier heißt es: Taktisch denken, Bündnisse schließen und geschickt handeln, denn im Alleingang ist das Spiel nicht zu gewinnen.



Diesen Satz hört man alle Nase lang bei Civilisation. Dadurch, dass das Spiel eine Kombination aus sauberen Regeln, einfachen Ablauf und großem Anspruch an das taktische Denken stellt, ist man schon nach wenigen Runden gefangen. Bisher war jede von uns gespielte Runde ein voller Erfolg, was auch daran liegt, dass der Glückfaktor nahezu ausgeschaltet wurde und so der Frust relativ niedrig liegt. Die einzige Schwachstelle des Spiels ist vielleicht, dass sich am Ende recht deutlich abzeichnet, wer gewinnt und wer keine Chance mehr haben wird. Meist machen zwei Völker das Rennen ab einem gewissen Punkt unter sich aus und die anderen gucken nur. Im Endeffekt ist Civilisation kein Spiel für jedermann, sondern für Leute, die Spaß am Planen und Denken haben. Und Geduld sollte man mitbringen, denn man rechnet pro Spieler (2-7) etwas mehr als eine Stunde. Dann aber wird man von einem Spiel überrollt, das einen gefangen nimmt und das man so schnell wie möglich wieder spielen will. Denn das Erfolgsgefühl, vor sich eine stabile Zivilisation aufgebaut zu haben, ist einfach unbeschreiblich. Vollkommene Pflicht!



Auf Ebay kursiert hin und wieder eine Erweiterung, die die Kelten noch mit ins Spiel bringt. Diese lag mir allerdings bisher noch nicht vor. Wer also dem Reverend was zum Geburtstag schenken will… Das Grundspiel selbst ist auch nur noch gebraucht erhältlich und das auch nur zu Sammlerpreisen (ab 30-40&euroAugenzwinkern

Pro: Brillantes Spieldesign mit hoher Langzeitmotivation Niedriger Glücksfaktor Edles, schlichtes Design Con: Unter Umständen unausgewogenes Ende Gesamt: 10/10
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