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Artikel geschrieben von: Cabal







Irgendwann fand ich durch Zufall heraus, dass der Veranstaltungskalender, den ich benutze, um meine Cons für Liverollenspiel zu finden, in verschiedene Kategorien aufgeteilt war. Erstaunlich was sich so alles direkt vor der eigenen Nase versteckt.
Gespannt durchforstete ich die anderen Angebote, in der Hoffnung eine Abwechslung zum ewigen Orks verhauen und Kettenhemden schleppen des Fantasy-Larps zu finden. Und ich fand sie. In der Form von Endzeit-Liverollenspiel.
Endzeit war für mich totales Neuland, jedenfalls was Larp angeht. Natürlich kannte ich Filme wie Mad Max oder Waterworld, aber von Endzeit-Liverollenspiel hatte ich bisher nie etwas gehört.

Mein Interesse war geweckt. Das Con-Angebot ist in diesem Bereich recht spärlich. Im Gegensatz zu Fantasy-Larps, wo jedes Wochenende mehrere Angebote zu finden sind, gab es für Endzeit sechs Einträge für das ganze Jahr. Damit kamen schon die ersten Probleme: Bei der kleinen Auswahl muss man einen Con finden, der in der Nähe liegt und in einem Zeitraum stattfindet, an dem man sich frei nehmen kann. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Endlich hatte ich einen Con ausgemacht, der sich in meinen Zeitplan einarbeiten ließ und, man höre und staune: Laut Con-Beschreibung direkt bei mir um die Ecke stattfinden sollte.
Leider ließen sich meine Freunde trotz aller Begeisterung nicht für einen Versuch erweichen und so musste ich mich alleine anmelden.
Aus organisatorischen Gründen wurde der Austragungsort des Cons verschoben, vom Duisburger Norden nach Leverkusen. Damit wechselte nun auch der Plot. Statt eines dreitägigen Spiels, das sich hauptsächlich in einer „Matrix“ abspielen sollte, kam nun ein Tagescon in einem Bunker auf mich zu.

Also hatte ich nun endlich Zeit mich auf die wesentlichen Dinge vorzubereiten, nämlich:

1. als was geh ich?
2. was brauche ich dazu?

Wie ich schon erwähnt habe, ist Endzeitlarp Neuland für mich und meine gesamte Ausrüstung auf Fantasy ausgelegt. Irgendwie hielt ich es dann aber nicht für die beste Idee mit Kettenhemd und Plattenrüstung durch eine postapokalyptische Landschaft zu marschieren.
Also hieß es improvisieren. Zuerst zu der Frage als was ich eigentlich zu dem Con gehen will.

Über den Con selber wusste ich nicht viel. Es würde ein Tages-Con, also ca. 14 Stunden IN-TIME am Stück und das die ganze Zeit in einem Bunker. Der Bunker sollte altes technisches Gerät enthalten, also wäre ein Charakter angebracht, der sich dafür interessiert...

Die Veranstalter ließen den Con in einer Welt spielen, die auf „Degenesis“ basiert. Wirklich durchgelesen habe ich mir das nur leider nicht (über 200 Seiten, Leute). Klar war aber für mich, dass ich einen Vagabunden spielen wollte, der durch die Gegend zieht, Sachen sammelt, tauscht und wenn es sein muss auch einmal klaut oder jemanden ermordet. Die SL versprach, meinen Charakter mit mir vor dem Con regeltechnisch zu erstellen, was schon mal eine große Hilfe war.
Nun zu der Ausrüstung. Um mir ein kleines Bild davon zu machen, wie die Leute auf den Cons rumliefen, schaute ich mir einige Bilder auf der Homepage an.
Was ich da sah, war erst mal leider nicht so begeisternd: die meisten sahen aus wie Fantasy-Larper mit Plastikmüllsäcken. Wie sich herausstellen sollte, war das aber bei diesem Con anders und das mit der Fantasy-Gewandung lag ein bisschen an dem Con-Konzept, da der Con in einer Gegend gespielt hatte, die unter mittelalterlichen Einflüssen stand.

Da ich nicht so aussehen wollte, machte ich mir viele Gedanken über meine Klamotten. Im Keller hatte ich noch einen zerfetzten Mantel (den ich mir von einer NSC-Rolle als Besessener von einem anderen Con habe mitgehen lassen). Dazu noch eine rote Bauarbeiterlatzhose, die ich immer zur Gartenarbeit trage, ein ausgemustertes Hemd von meinem Vater (mir zu groß und durch 5 Minuten Arbeit völlig zerfetzt) und als Schuhwerk ein paar Springerstiefel mit verschiedenen Schnürbändern.
Diese Kombination von Klamotten ist im höchsten Maße unmodisch und sieht im Grunde idiotisch aus, meiner Meinung nach also das richtige für Endzeit, wo man nicht all zu große modische Ansprüche hat. Zum abrunden kam dann auch noch eine Mütze und ein Halstuch dazu. Das einzige was mir noch fehlte war die von Dreck herstammenden Verfärbungen, aber ich war fest überzeugt, die kommt von ganz alleine...

Zur Bewaffnung: Meine Schwerter, Dolche usw. sind alle auf Fantasy ausgelegt. Was ich aber aus meinem Fundus unbesorgt nehmen konnte war die Armbrust. Jeder der Waterworld oder Mad Max kennt weiß, dass eine Armbrust da gut passt.
Bei der Gelegenheit bestellte ich mir gleich übers Internet ein neues Schwert: Ein Katana, das wie ich finde sowohl zu Cyberpunk als auch Endzeit passt.
Da ich im Kontakt zum Veranstalter stand, bot dieser mir auch an, dass ich eine kleine Pistole vor Ort kaufen könnte. Also drei Waffen, wer braucht schon mehr?

Bei der restlichen Ausrüstung suchte ich allerhand Kleinzeug zusammen. Eine Gürteltasche von meinem alten Game Boy, ein Kinderkugelschreiber an einer Schnur, zwei Bleistifte, eine Zange, einen Sechskantschlüssel, Streichhölzer, ein Stück Schnur..... alles was man so als Endzeitler mal irgendwann gefunden und, weil man sich nicht sicher ist ob man es mal braucht, mitgenommen haben könnte.

Über Verpflegung dachte ich nicht groß nach, es würde ja nur ein Con sein, der ca. 14 Stunden geht, also kann man davor und danach essen. Falls ich doch Hunger bekommen würde müsste ich nun also entweder damit leben oder mir den Bauch an dem getrockneten Fleisch verderben, das ich extra für das Spiel gekauft hatte. Es sieht wirklich so aus, als würde es mehrere atomare Kriege überdauern können.
Nur beim Trinken hört der Spaß auf, denn trinken muss man schließlich. Da aber klares Wasser zu öde wäre, färbte ich das Wasser mit etwas grünen Tee ein. Es sollte nicht giftig sein, aber ein bisschen Spaß, meinen Mitspielern „klares Wasser“ an zu bieten, würde es bringen.

Dann war es auf einmal Samstagmorgen und ich machte mich auf den Weg nach Leverkusen. In Gedanken rundete ich immer noch meine Rolle ab.
Beim Warten vor dem Bunker traf ich dann die ersten Mitspieler. Da diese sich mit den Regeln besser auskannten als ich, wurde mir erklärt, dass meine Rolle einem Kult mit dem Namen „Schrotter“ entspricht. Gut, also ein Schrotter dann.

Die Charaktererschaffung selber war ziemlich einfach. Auch das Regelwerk ist frei zum downloaden. Viel will ich dazu jetzt auch nicht sagen, nur eine kleine lustige Sache:
Wie in manchen anderen Regelwerken auch, muss man sich bei Aeon seine Waffenfertigkeiten einkaufen. Also den Umgang mit Schießprügeln, mit Nahkampfwaffen, mit alten Distanzwaffen wie Bögen UND auch waffenlosen Nahkampf.

Der waffenlose Nahkampf ist hier so geregelt: Vor dem Kampf vergleichen die Spieler ihre Kampf-Level, der mit der höheren gewinnt auf jeden Fall und dann wird das ganze nur noch ausgespielt. Das wird gemacht, um die Verletzungsgefahr zu senken, bei Kämpfen mit Schwerter geht’s wieder um Können.
Die meisten Teilnehmer auf dem Con hatten ein Level von 0 oder 1... ich startete mit einem Level von 2. He he he, nennt mich Mr. Eisenfaust…

So, dann wurde es ernst und die letzten Worte vor dem TIME-IN wurden an uns gerichtet...

Fortsetzung folgt im Artikel: „Die Entdeckung der Endzeit 2 – der Conbericht“
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