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Artikel geschrieben von: Rev_Blackjack
ProFantasy Campaign Cartographer



Wer jemals versucht hat, mit einem ordinären Bildverarbeitungsprogramm eine Karte für seine Rollenspielrunde zu zeichnen, ist unter Garantie schnell an die Grenzen seiner nervlichen Belastbarkeit gestoßen. Denn as Ergebnis ist in den seltensten Fällen sehenswert oder nutzbar. Hier hat die kleine englische Softwareschmiede ProFantasy eine Marktlücke gefunden und, wie ich finde, perfekt gefüllt: Nämlich mit dem Campaign Cartographer, der mittlerweile in der Version 2 pro auf dem Markt ist (und infolge dessen im Nachhinein nur noch CC2pro genannt wird). Im Gegensatz zu anderen Zeichenprogrammen funktioniert CC2 nicht auf Pixelbasis, sondern als CAD-System mit Polygonen. CAD findet man unter anderem in der Architektur, Maschinenbau und im Vermessungswesen. Es erlaubt einem das stufenlose Zoomen, Vergrößern und Verkleinern von Inhalten und eine „Layertechnick“ (dazu später mehr). Neben dieser alternativen Zeichenmethode ist CC2pro ein Modulares System. Neben dem Hauptprogramm, das sich bestens dazu eignet, Landkarten zu erstellen, sind Module für Stadtkarten, Dungeons und Häuser, Weltraumkarten und sogar ein Charakterzeichner enthalten. Die Module, die mir vorliegen, werden hier einer Prüfung unterzogen.


CC2pro

Als Neueinsteiger fühlt man sich ein bisschen überrumpelt. Immerhin lautet der erste Satz im Bedienungshandbuch sinngemäß: „Vergessen sie alles, was sie bisher über Zeichnen am Computer gelernt haben!“ Gut, das ist jetzt erstmal nicht viel, aber trotzdem hätte ich ganz gerne eine Grundlage, auf der ich starten könnte. Und die wird, Überraschung, innerhalb von 10 Minuten aufgebaut. Beim ersten Start öffnet sich nämlich nicht nur das Programm selbst, sondern auch ein Quick-Start-Guide, der in aller Ruhe die zugrunde liegenden Techniken und Tricks erläutert. Und was für Tricks es gibt! Aber immer der Reihe nach.



Die Karte, die ihr da seht, ist mein allererster Entwurf , hat maximal 30 Minuten gedauert nd macht deutlich, mit wie wenig Aufwand man ansehbare Resultate erzielt. Neben der übersichtlichen Farbleiste links sind die wichtigsten Zeichentools aufgelistet, in diesem Falle z.B. Erstellung einer Landmasse, Konturen, Straßen, Flüsse und und und. Ein Linksklick öffnet die meistgewählte Einstellung, ein Rechtsklick lässt zwischen verschiedenen Einstellungen wählen. Darunter jede Menge Tools, die zu erklären jetzt den Rahmen sprengen würde. Ist aber auch zweitrangig, denn das, was WIRKLICH interessant ist, ist die Spalte daneben: Die Symbolbibliothek. Wie ihr seht ist in diesem Fall gerade die Stadtleiste geöffnet, sämtliche Symbole lassen sich stufenlos vergrößern und verkleinern und einfach auf der Karte platzieren. Grob geschätzt würde ich die Anzahl der Symbole auf mehrere 10.000 schätzen (eingeschlossen die Varianten wie „Handdrawn, Monocrome, oder einfach nur eine Strichzeichnung). Weitere Tools finden sich auf der rechten Seite, allesamt sehr übersichtlich geordnet. Bevor wir uns den Zusatzvarianten widmen, möchte ich noch schnell den Blick auf die sechs Tools unten auf der rechten Seite lenken. Mit diesen ist es möglich, eine gezeichnete Linie passgenau mit einer anderen zu verbinden, ohne die Ungenauigkeit der menschlichen Hand/Auge-Koordination einbeziehen zu müssen. Nachdem man ein paar Male davon Gebrauch gemacht hat, will man gar nicht mehr ohne.


Dungeon Designer Pro D

as Tool, das es einem erlaubt, Dungeons und Innenansichten von Häusern zu zeichnen. Mit einer alternativen Toolleiste auf der linken Seite (statt Landmasse erstellen z.B. Raum erstellen, statt Fluss erstellen Korridor zeichnen etc) und eigenen Symbolkatalogen ist ein wunderschönes Dungeon nur noch eine Frage der Zeit (wenig) und guter Vorstellungskraft (viel). Auch der Dungeon Designer basiert auf der CAD-Technologie, kommt mit eigenen Symbolkatalogen (Treppen, Fenster, ja sogar mehrere Monster wie Riesentausendfüßler und Orks aus der Vogelperspektive) und Hintergründen daher.




City Designer Pro

Wie der Name schon sagt, ein Tool zur Erstellung von Stadtkarten. Basierend auf dem Prinzip von CC2pro werden Straßenkarten erstellt und das mit einem wirklich genialen Tool: Dem Random Street Generator. Klickt an, was für Häuser ihr haben wollt (Von Strohdächern, Hobbithöhlen, Elfischen Baumhäusern bis hin zu Stahl- und Glashäusern und runtergekommenen Cyberpunk-Wolkenkratzern ist alles dabei) und das Programm besetzt die Straße mit den Bauten eurer Wahl.




Character Generator

Mein heimlicher Favorit. Aus buchstäblich tausenden von Einzelteilen können Charakterbilder erstellt werden, die entweder auf den Heldenbogen gedruckt werden können, oder einfach als Portrait ausliegen oder, und das ist der Hammer: Als Aufsteller genutzt werden können, um auf Plänen Nahkampfsituationen nachzustellen. Zusätzlich dazu gibt es Bauteile für Monster (Minotauren, Zentauren, Illithiden, Vogelwesen) und Counter für „echte“ Ungeheuer wie Basilisken und Drachen.




Sonstige Funktionen

Mit den Symbol Catalogen 1-3 kommen noch mal wörtlich tausende Symbole dazu (Fantasy Overland, Fantasy Dungeons und Modern), Hexfelder lassen sich per Mausklick einfügen, es ist möglich, Felder für Battletech und GURPS zu erstellen. Kostenlos gibt es noch ein Tool, mit dem man Parcours für Robo Rallye (!!!) erstellen kann und einen Katalog, der Matrixpläne für Cyberpunk 2020 kreiert.

Bei all dem guten fragt man sich: Gibt es denn auch Schattenseiten? Ja, gleich drei Stück. Erstens: Das Programm läuft unter XP relativ instabil, es empfiehlt sich, den Windows 95 oder 98 Kompatibilitätsmodus einzuschalten. Zweitens: Der Preis ist relativ happig. Das Grundprogramm schlägt mit 35 Euro zu, die jeweiligen Add Ons liegen zwischen 20 und 35 Euro. Drittens: Da ProFantasy eine kleine Softwarefirma ist, die nur in geringen Auflagen produziert, sind die Lieferzeiten sehr hoch. Es ist zwar möglich direkt bei der firma zu bestellen, dafür benötigt man allerdings eine Kreditkarte.

Fazit: Für die Benutzerfreundlichkeit und die Vielseitigkeit gibt es von mir locker 10/10 Punkten, Preis und Verfügbarkeit klauen allerdings 2 Punkte. So wären wir bei 8/10, allerdings löst das Programm einen kreativen Kick aus, der uns im Endeffekt auf 9/10 Punkte bringt. Spielleiter sollten es austesten, sie werden es nicht bereuen!
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